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Auswanderung
Neustettiner Kreisblatt
Neustettiner Kreisblatt 1868

Die erste größere Auswanderung aus Pommern nach Übersee begann 1839, als Altlutheraner sich im Norden der Vereinigten Staaten niederließen. Diese geschah aus religiösen Gründen. Später aber überwogen materielle Motive: Nach der Bauernbefreiung hatte sich die Lage der landlosen Tagelöhner dramatisch verschlimmert; da sie nun keine Untertanen mehr waren, hatten sie gegenüber der Gutsherrschaft keinen Anspruch auf Unterstützung in Notfällen. Unstet zogen sie umher. So kam es, daß zwischen 1844 und 1914 über 300.000 Menschen Pommern verließen[1]. Höhepunkt war die Zeit zwischen 1881 und 1885, als jedes Jahr 1,23% der Bevölkerung auswanderten[2].
Belgard-Polziner Kreisblatt
Belgard-Polziner Kreisblatt 1890

1748 hatte das preußische Pommern 310.000 Einwohner, 1815 waren es schon 530.000. 1843 lebten in Vor- und Hinterpommern 1.106.000 Menschen, 1875 waren es 1.460.000 und 1900 dann 1.635.000[3].
Von offizieller Seite wurde gern dem „Agentenwesen“ die Schuld zugeschoben. Berghaus[4] zitiert den Landrat des Satziger Kreises, v. Waldow-Steinhöfel:
„Die Auswanderung nimmt in Pommern solche Dimensionen an, daß es dringend geboten sein dürfte, je eher je lieber gesetzliche Maßnahmen dagegen zu treffen, wenigsten den Auswanderungs-Agenten … die Konzession zu entziehen ... Wie unendlich schwierig es ist, gegen Agenten und Winkeladvokaten Beweise zu liefern, … wird die königliche Regierung hinreichend ermessen, dafür ist es doppelt notwendig, daß gegen Agenten … ohne alle Schonung vorgegangen werde.“
Kreisblatt Schlawe
Kreisblatt Schlawe 1870










Dabei spielte eine nicht unerhebliche Rolle, daß auch Militärpflichtige sich gerne dem Wehrdienst durch Auswanderung entzogen. Die pommerschen Kreiszeitungen jener Tage sind voll von Berichten über das schlimme Los der Ausgewanderten, aber gleichzeitig gefüllt mit Anzeigen der Vermittlungsagenten.

Auf den folgenden Seiten werden Auswanderungen aus der Umgebung von Bublitz nach Australien, Brasilien und den Vereinigsten Staaten beschrieben. Auch in der eigenen Familie gab es einen solchen Fall, siehe die "Verlorene Tochter".

[1]Werner Buchholz: Das Ende der Frühen Neuzeit im ‚Dritten Deutschland‘ – Pommern. Hist. Zeitschrift Beiheft 37, Oldenburg, München 2003.
[2]Andreas Ette, Lenore Sauer: Auswanderung aus Deutschland, VS Verlag, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2010
[3]Roderich Schmidt: Das historische Pommern, Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2009
[4]Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen, Teil 2, Band 6, S. 499, Dietze, Anklam 1870


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